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ADAC Mobilitätsindex: Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz hat neben wirtschaftlich starken Regionen zahlreiche ländlich geprägte Gebiete. (Foto: Pixabay)


Sinkende Lärmbelästigung, verbesserter ÖPNV: Was ist in Rheinland-Pfalz besser, was schlechter geworden? Die Antworten liefert der ADAC Mobilitätsindex. Dieser wertet Daten zu den Themengebieten Verkehrssicherheit, Umwelt und Klima, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit aus.

Zentrale Ergebnisse:

  • Rheinland-Pfalz hat nach dem Saarland die zweithöchste Motorisierungsquote aller Bundesländer. Gründe dafür sind der hohe ländliche Anteil und die eher schwache Erschließung durch die Bahn.
  • Der intensive PKW-Verkehr sorgt in Rheinland-Pfalz für einen sehr hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen. Das Land rangiert hier in der Spitzengruppe der Bundesländer.
  • Positiv hebt sich Rheinland-Pfalz im Index Verkehrssicherheit hervor. Die Zahl der Verkehrstoten sank um 21 Prozent.

Das im Herzen Europas gelegene Rheinland-Pfalz profitiert von seiner Nähe zu Belgien, Luxemburg und Frankreich sowie zu den wirtschaftlich starken Regionen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Zu diesen Wirtschaftsräumen bestehen intensive Pendlerverflechtungen.

Wirtschaftlich starke Verkehrsachse im Zentrum Europas

Die Regionen sind durch zahlreiche Verkehrsachsen in Nord-Süd- und West-Ost-Richtung gut miteinander vernetzt. Für den Bahnverkehr sind zwei Verbindungen besonders wichtig: Die Rheinschiene erschließt die Gebiete entlang der Achse Mainz – Koblenz, während die Moselstrecke den Schienenanschluss in Richtung Köln und Saarland herstellt. Abseits dieser Strecken existieren vor allem Richtung Westen keine Bahnverbindungen mehr. Insgesamt ist das ÖPNV-Angebot in Rheinland-Pfalz im Ländervergleich unterdurchschnittlich.

Im Pkw-Land

Rheinland-Pfalz hat nach dem Saarland die zweithöchste Motorisierungsquote aller Bundesländer. Gründe dafür sind der hohe ländliche Anteil und die eher schwache Erschließung durch die Bahn.

Die dünne Besiedlung weiter Landesteile führt dazu, dass Reisende große Entfernungen zu Groß- und Mittelstädten sowie zum nächsten Fernbahnhof zurücklegen müssen. Entsprechend hoch ist die Kilometerleistung der PKW. Positiver Aspekt der ländlichen Struktur: im Ländervergleich eher wenige Staus.

Der intensive PKW-Verkehr sorgt in Rheinland-Pfalz für einen sehr hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen. Das Land rangiert hier in der Spitzengruppe der Bundesländer. Die Belastungen mit Luftschadstoffen sind trotz einiger Ausreißer nach oben wie z.B. in Mainz moderat.

So entwickelt sich der Mobilitätsindex für Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz hat sich bei der Nachhaltigkeit besser entwickelt als Deutschland insgesamt. Mit einer Ausnahme erzielt das Land in allen Bewertungsdimensionen bessere Werte als der Bundesdurchschnitt. Der Gesamtindex liegt bei 105 Punkten. 

In Rheinland-Pfalz ist es gelungen, die hohe Zahl der Verkehrstoten um 21 Prozent zu senken. Dies hat positive Folgen für den Indexwert der Verkehrssicherheit.

Auch die Verfügbarkeit von Mobilität in Rheinland-Pfalz verbesserte sich überdurchschnittlich. Trotz gestrichener Verbindungen im Fernverkehr bei Bahn und Flugzeug erhöhte sich die Anzahl der ÖPNV-Platzkilometer auf der Schiene um sieben Prozent. Auch das Busangebot in schwach besiedelten Räumen wurde ausgebaut.

Die erfreulichsten Entwicklungen zeigen die Bewertungsdimensionen Klima und Umwelt sowie Zuverlässigkeit. So ging die Lärmbelastung der Bevölkerung deutlicher nach unten als im Bundesdurchschnitt. Gleiches gilt für Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen. Beim Thema Stau startete Rheinland-Pfalz 2015 auf geringem Niveau, auch 2019 gehörte es zu den Bundesländern mit den wenigsten Staus.

Wir als ADAC setzten uns insbesondere für den Erhalt der Mobilität im ländlichen Raum ein. Dazu müssen zukunftsfähige und nachhaltige Konzepte erarbeitet werden, die innovative Mobilitätsformen einschließen und unabhängig von einzelnen Verkehrsträgern gedacht werden. - Rudi Speich (Vorstand Verkehr & Technik ADAC Mittelrhein e.V.)

Ausblick

Rheinland-Pfalz entwickelt sich auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität positiv. In Zukunft sollte den engen überregionalen Verflechtungen besondere Aufmerksamkeit gelten. Die Pendlerströme aus Rheinland-Pfalz, vor allem Richtung Köln und dem Rhein-Main-Gebiet, könnten dort Staus verursachen. Deshalb sollten leistungsfähige und länderübergreifende ÖPNV-Angebote in den Fokus rücken. Nur so kann es gelingen, die Nachhaltigkeit nicht nur im eigenen Land, sondern auch in den angrenzenden Bundesländern zu verbessern.

Aktuell gibt es in der rheinland-pfälzischen Landesregierung die Bestrebung, den öffentlichen Verkehr deutlich zu stärken und sogar auf die Schiene zu holen, indem stillgelegte Schienenstrecken wieder geöffnet werden. Das könnte ein Irrweg sein. Wir müssen die Verkehrsleistung da erbringen, wo die Nachfrage ist. Ein Großteil der stillgelegten Schienenstrecken liegt aber gerade dort, wo keine große Nachfrage besteht. Da hilft es nicht, umweltfreundliche Züge los zu schicken, in denen keine Passagiere sitzen. Das ÖPNV-Angebot muss da gestärkt werden, wo das Verkehrsaufkommen einen attraktiven und wirtschaftlichen Betrieb zulässt. Und wo der öffentliche Verkehr an seine Grenzen stößt, ist das Auto das geeignete Fortbewegungsmittel. - Dr. Klaus Manns (Vorsitzender ADAC Mittelrhein e.V.)