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ADAC Talk: Urlaub in Krisenzeiten – wohin entwickelt sich der Tourismus?

Die Talkrunde auf der Terrasse des Hotel Hohenzollern in Bad Neuenahr-Ahrweiler. (Foto: Red.)


Erst die Pandemie, dann die Flut, jetzt der Krieg und die steigende Inflation: der Tourismus ist arg gebeutelt und der Kunde fragt sich, wo er in diesem Jahr sicher seinen Urlaub verbringen kann. Hierzu veranstaltete der ADAC Mittelrhein eine Talkrunde im krisengebeutelten Ahrtal, das durch die Flutkatastrophe vor einem Jahr nahezu zerstört wurde. Die Branche befindet sich im Dauerkrisenmodus.

Fehlende Fachkräfte, verunsicherte Kunden und eine unzureichende politische Unterstützung sind nur drei von vielen weiteren Herausforderungen mit denen sich die Touristiker und Gastronomen konfrontiert sehen.

  • Wie kommt der Tourismus aus der Krise?
  • Was müssen Reisende aktuell beachten?
  • Was sind die Reisetrends der Zukunft?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen gaben die Talkgäste.

Anja Kirig - Zukunfts- und Trendforscherin

Krieg, Pandemie und Klimakrise haben Einfluss auf das Reiseverhalten. Das sind Trends, die uns in den nächsten Jahrzehnten begleiten werden. Die Neugestaltung des Ahrtals ist eine Chance, sich neu auszurichten und sich mit der Zukunft zu befassen. Ein Megatrend der Gegenwart ist die Individualisierung von Reisen. Die Themen erdgebundenes Reisen, Sicherheit und Öko-Tourismus werden eine wichtige Rolle spielen. Das Bedürfnis der Menschen nach Beziehungen zu Menschen und Orten wird das Reiseverhalten in den nächsten Jahren prägen.

Gereon Haumann - Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz e.V.

Durch die Pandemie sind uns 25 Prozent des Personals abhandengekommen. Die Unternehmen steuern mit Gehaltserhöhungen dagegen, aber es bedarf auch flexiblerer Arbeitszeitmodelle. In den Betrieben muss achtsamer mit den Mitarbeitern umgegangen werden und deren Work-Life-Balance in den Fokus rücken. Darüber hinaus benötigen wir die Unterstützung der Politik. Eine erneute Schließung im Winter wäre der Genickbruch für die ganze Branche.

Christian Lindner - Vorsitzender Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V.

Das Ahrtal braucht Touristen. Hier ist jeder willkommen. Die Politik muss hier den nachhaltigen Aufbau begleiten und den Unternehmen finanziell helfen. Denn der Wiederaufbaufonds hat in der jetzigen Form das Thema Innovation vernachlässigt. Dadurch hat es falsche Entwicklungen gegeben. Der Umstieg auf nachhaltigen Tourismus muss die Prämisse unseres Handelns sein. Diese ist für uns elementar wichtig. Hierfür muss allerdings auch Infrastruktur geschaffen werden, wobei ich Land und Kommunen in der Pflicht sehe. Hier erwarten wir Nachbesserungen.

Petra Dick-Walther - Staatssekretärin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz

Wir müssen das Ahrtal gemeinsam neugestalten und weiterentwickeln – nicht nur finanziell, sondern auch beratend. So haben wir heute das Beratungsprogramm Mittelstand mit verbesserten Konditionen auf den Weg gebracht. Insbesondere die von der Pandemie sowie der Flutkatastrophe schwer getroffenen Unternehmen haben einen erhöhten Beratungsbedarf bei der zukünftigen Ausrichtung ihres Geschäftsmodells. Hier unterstützt das Wirtschaftsministerium mit einer verbesserten Betriebsberatung. Über weitere zusätzliche Fördermöglichkeiten beraten wir gemeinsam mit dem Bund.

Aquilin Schömig - Geschäftsführer ADAC Reisevertrieb GmbH

Sicherheit, Gehalt und Arbeitszeiten – das sind die Themen, um die sich die Tourismusbranche mit Blick auf den Fachkräftemangel kümmern muss. Nur so können wir Personal halten und Neues rekrutieren. Abseits dessen ist die Kundschaft in Krisenzeiten verunsichert, so dass ein Schwerpunkt auf der persönlichen Kundenberatung liegen muss. Aktuell registrieren wir eine hohe Nachfrage hinsichtlich der Urlaubsregionen Türkei, Griechenland und Spanien. Und der Camping-Boom ist ungebrochen. Wir könnten hier mehr verkaufen, aber haben schlichtweg nichts – Beispiel Nordamerika: hier sind alle Camper für die nächsten sechs Monate ausgebucht.

Dirk Fohr - Geschäftsführender Gesellschafter Niesmann Caravaning GmbH & Co. KG

Das individuelle, flexible erdgebundene Reisen ist der absolute Trend, der alle Alters- und Einkommensklassen durchzieht. Die Camping-Welt ist wirklich bunt. Besonders beliebt sind Camper-Vans, die ein flexibles Reisen in Städten ermöglichen. Gegenwärtig sind jedoch alle Wohnmobile auf Verbrenner ausgerichtet. Hier wird sich im Kontext der Nachhaltigkeit was tun müssen, Thema Elektro- und Wasserstofftechnologie.

Dr. Achim Schloemer - Vorstand Touristik ADAC Mittelrhein e.V.

Wir als ADAC sind mit 21 Millionen Mitgliedern der Spiegel der Gesellschaft. Die von Frau Kirig genannten Aspekte Sicherheit und Nachhaltigkeit sind für unsere Kunden und Mitglieder wichtig. Da stehen wir als vertrauensvoller und verlässlicher Partner zur Seite. Das ist zugleich der Kern unseres Wirtschaftens, beispielsweise in punkto nachhaltige Mobilitätsformen.