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Wildschweinbestände: Stadt Boppard prüft Einsatz eines Stadtjägers

Bürgermeister Jörg Haseneier (rechts) hatte zu einem Vor-Ort-Termin in Boppard-Buchenau eingeladen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen und gemeinsam mit Jägern, Behörden sowie Anwohnerinnen und Anwohnern nach Lösungen zu suchen. (Foto: Stadt Boppard)


Um die gestiegenen Wildschweinbestände in Boppard-Buchenau und die damit verbundenen Flurschäden einzudämmen, wird die Stadt Boppard künftig eng mit der Jägerschaft zusammenarbeiten. Auf Initiative des Bopparder Bürgermeisters Jörg Haseneier hat am Donnerstag, 3. November, ein Vor-Ort-Termin in Buchenau stattgefunden, um ein Bild von der aktuellen Situation zu erhalten und gemeinsam mit Jägern, Behörden sowie Anwohnerinnen und Anwohnern nach möglichen Lösungen zu suchen.

Die Stadt Boppard prüft in Abstimmung mit der Unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung jetzt, ob es möglich ist, in Buchenau einen sogenannten Stadtjäger einzusetzen, der mit einer Ausnahmegenehmigung auch in befriedeten Gebieten Wildschweine erlegen darf. Der Stadtjäger soll mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet sein, um die Ortung des Schwarzwilds zu erleichtern. Dabei steht die Sicherheit immer an erster Stelle: Geschossen werden darf nur dann, wenn keine Gefahr für Anwohner und eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit besteht.

Zu dem Treffen waren der Jagdvorstand der Bopparder Jagdgenossenschaft, eine Vertreterin der Unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung, der zuständige Revierförster, die beiden Jagdpächter der Bezirke Eisenbolz und Buchenau, der Kreisjagdmeister, ein Vertreter des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz und mehrere Anwohnerinnen und Anwohner eingeladen. Die Anwohner berichteten dem Bürgermeister von Schäden in Flurstücken und privaten Gärten. Sie machten deutlich, dass ihr Sicherheitsempfinden unter dem Auftauchen der Wildschweine leide. Die Wildschweine hätten keine Angst vor Menschen, da mittlerweile eine Generation unterwegs sei, die im Wohngebiet aufgewachsen und an das Leben dort angepasst sei.

Hinzu kommt, dass wir in diesem Jahr eine Eichelmast haben. - Robert Ackermann (Landesjagdverband)

Bedeutet: Die Wildschweine finden Eicheln im Überfluss, und die Schwarzwildbestände werden weiter steigen. Die hohen Bestandszahlen könnten in Zukunft aber auch im Blick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) zu einem Problem werden, weil sie bei einem Ausbruch die Ausbreitung dieser Tierseuche forcieren würde.

Allein im vergangenen Jagdjahr, das sich von Anfang April bis Ende März des Folgejahres erstreckt, wurden in den beiden Bezirken jeweils über 100 Sauen erlegt. Doch die Möglichkeiten der Bestandsreduzierung für die Jagdpächter der Bezirke Eisenbolz und Buchenau sind begrenzt. Unter anderem dient dem Schwarzwild der Waldausläufer, der ins Buchenauer Wohngebiet hineinreicht, als sicherer Rückzugsort. Für die Jagd ist das ein Problem, denn in sogenannten befriedeten Bezirken wie beispielsweise Wohnsiedlungen, Friedhöfen, Grünanlagen oder Gärten, darf nicht geschossen werden. Ein ortskundiger Stadtjäger hingegen könnte eine entsprechende Sondergenehmigung erhalten.

Wir können etwas tun. Wir müssen noch mehr in das Wildtiermanagement einsteigen und uns Gedanken machen, wie ein solcher Stadtjäger sinnvoll zum Einsatz kommen kann. - Jörg Haseneier (Bürgermeister Boppard)

Aber auch über das Thema Gartenabfälle müsse gesprochen werden. Der Bürgermeister kündigte an, dass die Stadtverwaltung die Anwohnerinnen und Anwohner mit einem Schreiben für die ordnungsgemäße Entsorgung sensibilisieren werde. Es würden in Zukunft aber auch Kontrollen erfolgen.

Die Anwohnerinnen und Anwohner bedankten sich bei allen Beteiligten. „Wir haben jahrelang ins Leere geschrieben“, betonte eine Buchenauerin. Sie sei froh, dass dieser Termin zustande gekommen sei: „Weil sich endlich jemand der Sache annimmt und weil kompetente Leute vor Ort sind, die uns die Möglichkeiten erläutern.“

Um Wildschweine aus den Wohngebieten und von privaten Grundstücken fernzuhalten, bittet die Stadt Boppard außerdem, folgende Punkte zu beachten: 

  • Gartenabfälle, Kompost, Obst und altes Gemüse ordnungsgemäß entsorgen und nicht auf Grundstücken oder am Waldrand lagern. Das Entsorgen in der Umwelt ist nicht nur verboten, es lockt auch die Wildschweine in die bewohnten Gebiete.
  • Keine Wildschweine füttern. Dies ist gesetzlich untersagt. Die Tiere werden durch das Füttern nicht nur angelockt, sie verlieren auch ihre Fluchtdistanz zum Menschen.
  • Keine Essensreste offen auf dem Komposthaufen liegen lassen.
  • Mülltonnen ausreichend sichern und gut verschließen.
  • Müllsäcke grundsätzlich erst morgens nach draußen bringen. Die Tiere könnten sie sonst nachts aufreißen.
  • Fallobst und Baumfrüchte wie Eicheln oder Bucheckern im Garten aufsammeln.
  • Verwilderte Bereiche wie Brombeergestrüpp, Stauden, Hecken oder Sträucher auflichten, damit die Tiere sich nicht dorthin zurückziehen können.
  • Grundstücke für Wildschweine durch stabiles Einzäunen unzugänglich machen. Ein klassischer Holz- oder Maschendrahtzaun hält der Kraft von Wildschweinen prinzipiell nicht stand.