Ein Kind, zwei Schulen, drei To-do-Listen – und niemand zum Abgeben. In dieser Kolumne erzähle ich ehrlich, nahbar und spitz, wie ein Morgen voller kleiner Katastrophen zum Alltag wird, wenn man alles alleine trägt. Ein Text für alle, die verstehen wollen, was Alleinerziehende wirklich leisten.

Mendig |

Morgens um halb acht

Es ist 7:24 Uhr. Ich stehe mit dem Auto fest, vor mir die Müllabfuhr, hinter mir Hupkonzert. Währenddessen tippe ich hektisch Nachrichten: an die Nachbarin, weil ich vergessen habe, die Mülltonne rauszustellen, und an mögliche Retter für die Mittagsabholung meines Sohnes – die Fahrgemeinschaft ist ausgefallen. Die Nachricht kam gestern Abend. Auf Telegram. Und nein, die App hatte ich natürlich nicht offen. Mein Kopf rattert, mein Kind fragt unaufgeregt vom Rücksitz: „Wer holt mich denn heute ab?“ Zum Glück ist er unkompliziert. Wäre er ängstlich, hätte ich ein echtes Problem. Ich nehme den Umweg über Mayen – denn eins meiner Kinder besucht dort die Schule – und fahre dann weiter nach Andernach, wo ich selbst arbeite. Es ist hektisch, laut, chaotisch. In mir, um mich herum, im Auto.

Alltag im Alleingang

Was nach einem Katastrophenmorgen klingt, ist in Wahrheit Alltag. Ein Morgen von vielen, an denen alle Zahnräder ineinandergreifen müssen, obwohl ich das Gefühl habe, dass ich alle alleine drehe. Alleinerziehend heißt: Es gibt keine zweite Instanz, die einspringt, wenn Pläne wackeln. Alles, was in Familien sonst geteilt wird, läuft hier über eine Person: Termine, Brotdosen, Elternabende, Freizeitprogramm, Arztbesuche, Tränen trocknen, Fahrdienste leisten. Und das nicht nebenbei, sondern täglich – on top zu Job und Haushalt.

Es ist ein Hochseilakt ohne Netz, bei dem man ständig jongliert und gleichzeitig hofft, dass nichts runterfällt. Ich mache das alles nicht, weil ich besonders belastbar bin. Oder weil ich mir das so ausgesucht habe. Sondern weil es gemacht werden muss. Weil ich möchte, dass meine Kinder sicher, begleitet und möglichst angstfrei durch ihren Tag gehen. Und weil es schlichtweg niemanden sonst gibt, der es tut.

Kinder sind kein Wochenend-Hobby

Was mich dabei wütend macht, ist weniger die Belastung selbst – die kenne ich, die manage ich. Es ist die gesellschaftliche Normalität, dass ein Elternteil selbstverständlich alles trägt, während sich der andere ausklinkt. Als seien Kinder ein Projekt, in das man bei Gelegenheit mal reinschaut. Ein Hobby, das man zwei Mal im Monat am Wochenende ausführt, wenn es gerade passt.

Aber Kinder sind kein Hobby. Sie sind Leben. Und zwar jeden Tag. Mit all seinen Höhen und Tiefen, mit Müslibroten, Arztterminen und Dauerfragen. Wer das nicht begreift, macht es sich zu einfach – und überlässt dem anderen Elternteil nicht nur die Last, sondern auch die Verantwortung, die beiden eigentlich tragen sollten.

Und dann regnet es auch noch

Am Mittag geht es zurück nach Mayen, Kind abholen. Dann eventuell noch zum Badminton – Schnuppertraining. Wenn es regnet, fahren wir. Wenn nicht, auch. Und irgendwo dazwischen sollte ich meine Fahrtkosten einreichen, einkaufen, eine Deadline einhalten und idealerweise nicht vergessen zu atmen.

Manchmal frage ich mich, wie viele Menschen da draußen wirklich wissen, was Alleinerziehende tagtäglich leisten. Nicht aus Heldentum, sondern aus Verantwortung. Nicht, weil sie es besser können, sondern weil sie es schlichtweg tun müssen.

Vielleicht ist es Zeit, nicht mehr nur zu staunen, sondern aktiv zu unterstützen. Und den Blick zu weiten – für das, was oft unbemerkt bleibt.

Zeit für einen ehrlichen Blick

Wenn mir jemand sagt: „Ich weiß gar nicht, wie du das alles schaffst“, denke ich mir: Ich schaffe es, weil ich muss. Weil es kein Zurück gibt, keinen „anderen, der mal übernimmt“. Viele von uns leben so – Mütter, Väter, Großeltern. Weil sie schlicht keine Wahl haben.

Und vielleicht ist es genau das, worüber wir endlich offener sprechen müssen: Dass Kinder mehr brauchen als Wochenendbespaßung. Dass es nicht reicht, Verantwortung punktuell zu leben. Und dass wir den Alltag von Alleinerziehenden nicht länger als private Nebensache abtun sollten.

Ein letzter Gedanke

Vielleicht kennst du jemanden, der das hier gerade lebt. Der morgens mit müden Augen Kinder weckt, Listen im Kopf jongliert und trotzdem zu spät kommt – nicht weil er unorganisiert ist, sondern weil er zu viel gleichzeitig tragen muss.

Frag nicht: „Wie schaffst du das nur?“
Frag lieber: „Was kann ich dir abnehmen?“

Und wenn du selbst gerade in dieser Rolle steckst: Du machst das großartig. Auch, wenn es sich oft nicht so anfühlt.

Eure Dani