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2021: Mehr als das Ende einer Ära

Drei Personen, welche die Bundesrepublik über Jahrzehnte prägten: Angela Merkel, Joachim Löw, Dieter Bohlen.


Neben all den politischen, pandemischen und kulturellen Ereignissen, bedeutete das Jahr 2021 auch das Ende von gleich mehr als einer Ära. Die Zeiten, in denen wir uns über die politischen Maßnahmen von Angela Merkel, die Aufstellung und Taktik von Joachim Löw und die proletenhaften, meist überzogenen Sprüchen von Dieter Bohlen in einer Samstagabendshow bei RTL aufregten sind vorbei.

Politik, Fußball, Entertainment. Drei Dinge die Millionen Deutsche beschäftigen und deren Leben entscheidend prägen. Nach langen Jahren müssen sich diese Menschen nun an Veränderungen gewöhnen. Nach 16 Jahren endete im Dezember die Amtszeit von Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Fast genauso lange war Joachim Löw als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Amt. Bereits seit 2002 flimmerte Dieter Bohlen mit der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ über die Bildschirme der Republik.

Angela Merkel – Deutschlands erste weibliche Kanzlerin hat fast die längste Amtszeit

Wer hatte das im Jahr 2005 gedacht, als Angela Merkel im Alter von 51 Jahren die erste weibliche Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland werden sollte und dieses Amt für über 16 Jahre behielt? „Kohls Mädchen“, wie Merkel von den Medien teils liebevoll, teils abwertend bezeichnet wurde, hat ihren Förderer dabei fast überholt. Nur zehn Tage fehlten Angela Merkel, um den Rekord der längsten Kanzlerschaft von Helmut Kohl zu übertreffen. Ihre Amtszeit war geprägt von mehreren Krisen. Angefangen mit der Finanzkrise 2008, später die Flüchtlingskrise 2015 und zu guter Letzt noch eine globale Pandemie. Durch all diese Krisen versuchte Merkel ihr Land zu manövrieren. Ob ihr dies gelungen ist, müssen andere beurteilen. Jedenfalls hat sie durch ihre Politik neben vielen Freunden, auch einige Feinde dazugewonnen. Größe bewies Angela Merkel am Ende ihrer Amtszeit. Im Oktober 2021, als die Wahlniederlage der CDU bereits feststand und Olaf Scholz ihr designierter Nachfolger war, nahm sie eben diesen mit zum G20-Gipfeltreffen in Rom. So funktioniert eine reibungslose und respektvolle Amtsübergabe. Daran könnten sich auch unsere amerikanischen Freunde ein Beispiel nehmen.

Joachim Löw – Weltmeister und Erfolgstrainer am Ende zu stur und unflexibel

Seit 2006 im Amt beginnt die Zeit von Joachim Löw beim DFB eigentlich schon im Jahr 2004. Nach einer enttäuschenden Europameisterschaft wird Jürgen Klinsmann neuer Bundestrainer und beruft Löw zu seinem Assistenten. Gemeinsam führen sie die Nationalmannschaft zu einer furiosen Heim-WM 2006. Nach Klinsmanns Abschied wird Löw befördert und der Trend setzt sich fort. Zweiter bei der EM 2008, Dritter bei der WM 2010 und schließlich das Halbfinalaus bei dem EM 2012. Es fehlte die Krönung. Diese folgte 2014 bei der WM in Brasilien. Doch danach begann der Absturz. Zwar gelang bei der EM 2016 noch der Einzug ins Halbfinale und beim Confed Cup 2017 sogar der Titelgewinn mit einem Zukuntsteam, aber die Spielfreude und der Ehrgeiz sind verloren gegangen. Zudem setzte bei Joachim Löw immer mehr eine gewisse Arroganz und Sturheit ein. Die Folge: Das Vorrundenaus bei der WM 2018 und eine enttäuschende Europameisterschaft 2021, die im Achtelfinale endete. Auch wenn Joachim Löw zuletzt oft zurecht in der Kritik stand, ist seine Bilanz beachtenswert und daran müssen sich all seine Nachfolger messen.

Dieter Bohlen – Ein Prolet, der Millionen begeisterte

„Ne Steigerung wär's, wenn dein Popel tanzen könnte. Ich kann nicht mal sagen, dass das scheiße war, das war schlechter. Wenn Du mir 'nen Affen mitgibst für ein halbes Jahr, dann singt der besser. Wenn du jetzt 3000 Prozent besser singst, könntest du eventuell Scheiße erreichen.“

Werden wir diese oder ähnliche Sprüche in Zukunft vermissen? Das muss wohl jeder für sich beantworten. Doch lange Zeit haben genau diese Formulierungen sehr effektiv beim deutschen Fernsehpublikum gewirkt. Seit 2002 mussten die Kandidaten bei „Deutschland sucht den Superstar“ und ab 2007 auch beim „Supertalent“ diese Sprüche über sich ergehen lassen. Die Quoten waren meist gut, vor allem zu Beginn. Doch vielleicht hat auch RTL erkannt, dass die Zeit dieser respektlosen und teilweise auch chauvinistischen und machohaften Rhetorik endgültig vorbei ist. Ein bisschen scheint es aber auch, als würde das Publikum sich dieses alte Fernsehen zurückwünschen. So flimmerten 2021 Sendungen über den Bildschirm, die seit Jahren der Vergessenheit angehörten. „TV total“, „Dalli Dalli“ und „Geh aufs Ganze!“ kehrten zurück. Und auch der Moderator mit dem blonden, lockigen Haar, der sich gerne mal schwarz anmalt, um einen großen Musiker zu ehren oder der Gendersprache für Schwachsinn hält, durfte das Publikum nochmal mit einer Folge „Wetten, dass…?“ begeistern. Die Sehnsucht nach Routinen und Beständigkeit in Zeiten des Wandels.

In jedem Fall treten drei Personen in den Hintergrund, die über mehrere Jahrzehnte die Bundesrepublik geprägt haben. Ihre Leistungen und Beliebtheit muss jeder für sich beurteilen. Es wird spannend sein zu sehen, wer die nächsten Jahre in Politik, Sport und Entertainment prägen wird. Olaf Scholz? Hansi Flick? Joko und Klaas? Die Zukunft wird es zeigen und wir werden auch im Jahr 2022 wieder Personen haben, die wir bewundern oder über die wir fluchen können.

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