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Ordensfrau, Sozialarbeiterin und streitbarer Geist

Lea Ackermann feiert am 2. Februar ihren 85. Geburtstag. (Foto: Red.)


Dr. Lea Ackermann mag den Blick aus ihrem Bürofenster in Hirzenach hinunter auf den Rhein. Der Strom hat auch Symbolkraft für ihr Leben, das immer Strömungen ausgesetzt war und vielen Kämpfen bis heute, jetzt wo sie am 2. Februar 85 Jahre alt wird und andere das Kämpfen in diesem Alter längst verlernt haben.

Den Vorsitz der von ihr 1985 im kenianischen Mombasa gegründeten Frauenrechtsorganisation "SOLWODI" hat sie 2020 in jüngere Hände übergeben. Und gleichzeitig die „Lea Ackermann Stiftung“ gegründet“. Kindern im Elend zu helfen ist die Idee. Ohne eine Aufgabe könnte sie nicht sein.

"Als Missionsschwester habe ich viele Jahre in Afrika gearbeitet und dort das Elend der Kinder erlebt. Ihnen ein wenig zu helfen, das soll die Aufgabe für den Rest meines Lebens sein." - Lea Ackermann

Aus ihrem Fenster im Büro geht der Blick weit zurück. Geburt und Kindheit im saarländischen Klarenthal. Banklehre bei der saarländischen Landesbank und angestellt als Bankfrau in Paris und Saarbrücken. Dann 1960 Eintritt in die Gemeinschaft „Missionsschwestern unserer lieben Frau von Afrika“. Theologische Studien in Toulouse und in München schließen sich an. Pädagogik, Psychologie und Theologie studiert sie in München und promoviert. Dozentin für Sozialpädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt wird sie.1967 lernt sie Afrika, ihre stille Liebe, kennen. Für fünf Jahre geht sie nach Ruanda, wird Leiterin einer Schule zur Ausbildung vonLehrerinnen. Später schickt sie der Orden für ein Jahr nach Rom und 1985 nach Mombasa (Kenia). Sie hat ihre Aufgabe und ihr Ziel gefunden. Hier wird sie mit einer Lebenswirklichkeit konfrontiert, die sie rebellieren lässt. Junge Mädchen und Frauen werden zur Prostitution gezwungen, der Sextourismus widert sie an. 

1985 gründet sie in Mombasa SOLWODI. Solidarität mit Frauen in Not wird ihre Lebensaufgabe. Es ist ein Ausstiegsprojekt  für kenianische Frauen und Mädchen aus der Elendsprostitution. Kenia wird ihr Herzensanliegen bleiben. 1987 kommt sie nach Deutschland, um jetzt auch hier SOLWODI zu gründen. Der Sitz wird Boppard. Es entstehen Beratungsstellen mit Schutzwohnungen. Später wird sie sich auch der Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan annehmen.

Viele Bücher hat sie zu dem Thema geschrieben. 2017 ist ihre Biografie unter dem Titel „Der Kampf geht weiter“ erschienen. Keine andere Überschrift würde besser zu ihr passen. Vor einem Jahr veröffentlichte sie das neue Buch mit dem Titel „Das ist der Gipfel“. Zusammen mit Prof. Dr. Michael Albus, der zwei Jahrzehnte Leiter der Hauptredaktion „Kirche und Leben“ beim ZDF war, hat sie es geschrieben. Viele Vorträge und Reden hat sie gehalten, Aufsätze geschrieben. Es geht immer nur um ein Thema: um die Würde der Frauen und Kinder in dieser Welt.

Bedeutende Ehrungen wurden Lea Ackermann zuteil: herausragend ist das Große Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. „Frau Europas“ wurde sie 1997, der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz, der Kettelerpreis für sozialpolitisches Engagement, die Ehrendoktorwürde der Universitäten Luzern und Erfurt und der Augsburger Friedenspreis folgen. Es ist nur eine Auswahl.

Klug und kämpferisch, teilweise unnachgiebig, aber immer den Menschen zugewandt, das ist ihr Leben. Ordensfaru wollte sie werden. Aber auch kritisch gegenüber ihrer Kirche bleiben. Was ihr an der Kirche nicht passt, das sagt sie frei heraus.

Die Kinderstiftung ist die letzte große Aufgabe ihres Lebens. Und jeden Tag wird sie für diese Idee streiten. Auf ihre eigene Art: kämpferisch, manchmal auch stur, aber immer leidenschaftlich der Sache verschrieben.