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Fairtrade Schokolade nicht nur in der Weihnachtszeit

Der Fairtrade Workshop soll die Komplexität des Themas näher bringen. (Bild: AdobeStock_78462116)


Im Durchschnitt isst ein Mensch in Deutschland rund 9 Kilogramm Schokolade pro Jahr. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit nimmt der Schokoladenkonsum deutlich zu. Da der Landkreis Mayen-Koblenz Fairtrade-Landkreis ist, fand kürzlich ein Workshop zum Thema „Faire Schokolade“ mit dem Referenten Achim Trautmann, Regionaler Fachpromotor für öko-soziale Beschaffung, statt.

Die Teilnehmer − Mitarbeitende der Kreisverwaltung − haben viel über Herkunft, Kakaoanbau und Schokoladenherstellung gelernt. Die wichtigste Frage aber war: Warum sollten wir überhaupt Fairtrade Produkte kaufen? Hierfür gibt es zahlreiche Gründe.

Kakao wird zum Großteil (etwa 75 Prozent) von Kleinbauern in Westafrika angebaut. Weitere kleinere Anbaugebiete gibt es in Südamerika und Indonesien. Dabei kommt es häufig zu Menschenrechtsverletzungen. Die Löhne der Kakao-Bauern liegen oft unter der Armutsgrenze und nur 6 Prozent des Verkaufspreises der Schokolade kommen überhaupt bei ihnen an, denn den größten Teil verdienen die Supermärkte der nördlichen Industriestaaten. Zudem herrscht in vielen Anbaugebieten Kinder- und Zwangsarbeit. Dies hat zur Folge, dass die Kinder in den meisten Fällen keine Schule besuchen und somit über eine mangelnde Schulbildung verfügen.

Auch die Umweltzerstörung in den unterschiedlichen Anbauregionen darf nicht vergessen werden. Sehr viele Bauern nutzen Pestizide – die teilweise sogar in Europa verboten sind – und bauen ihre Pflanzen in einer Monokultur an. Das führt zu einer starken Schädigung der Böden. Hinzu kommt, dass eine Schutzausrüstung für die Menschen beim Umgang mit den Pestiziden meist zu teuer ist, ebenso wie eine Schulung zur korrekten Verwendung von Pestiziden. Gewässer werden vergiftet, Menschen werden krank und die biologische Vielfalt wird zerstört.

Zum Schutz von Mensch und Natur, wurden spezielle Fairtrade-Standards geschaffen. Diese sind bindend für die Kleinbauernorganisationen, Plantagen und Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Standards umfassen soziale, ökologische und ökonomische Kriterien. Fairtrade ist keine Handelsorganisation, sondern vergibt „Label“ für die Einhaltung dieser Standards. Darüber hinaus gibt es weitere Siegel, die ihre Priorität auf jeweils andere Schwerpunkte setzen. Das GEPA Siegel steht für faire Handelsbedingungen und soziale Standards.  GEPA ist ein Handelsunternehmen und zeichnet sich durch langfristige sowie häufig direkte Lieferbeziehungen aus. Allerdings liegt der Schwerpunkt hier auf den ökonomischen und sozialen Standards. Ein weiteres Logo ist Naturland Fair. Dieses wird von einem basisdemokratischen Bauernverband herausgegeben und legt sein Hauptaugenmerk auf die ökologischen Standards. Das Naturland Fair und GEPA Siegel kommen häufig gemeinsam vor. Auch die Rainforest Alliance hat ein Fairtrade-Label ins Leben gerufen. Dieses verfolgt als Hauptziel den Schutz des Regenwaldes und steht für die Förderung sozialer sowie ökologischer Anstrengungen. Es sollen schon von Anfang an bei den Farmen und Wäldern verantwortungsbewusste Entscheidungen getroffen werden und das bis in den Supermarkt.

Allen Teilnehmern des Workshops wurde die Komplexität des Themas „Fairer Handel“ bewusst. Außerdem bestand großes Interesse daran, das Thema auch in Zukunft weiter zu vertiefen.