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„Früher war mehr Lametta!“

Der Loriotplatz in Bremen. (Foto: Pixabay)


Am 22. August 2011 verstarb mit Vicco von Bülow einer der größten deutschen Humoristen, Karikaturisten, Regisseure und Schauspieler. Der breiten Masse war er besser bekannt als Loriot. aktuell4u blickt zurück auf einen Menschen und sein Lebenswerk, was in der heutigen Zeit schmerzlich vermisst wird.

„Wer glaubt, Humor bestehe darin, sich über andere lustig zu machen, hat Humor nicht verstanden. Um komisch zu sein, muss man sich vor allem selbst zur Disposition stellen.“ - Loriot

In Deutschland verbinden wir Loriot in erster Linie mit Humor und Situationskomik. Direkt denken wir an Familie Hoppenstedt, verschiedene Sketche wie „Herren im Bad“ oder „Die Jodelschule“ und auch an die erfolgreichen Kinofilme „Ödipussi“ und „Pappa ante portas“. Allesamt Dinge, die wir mit Witz und Glückseligkeit verbinden. Doch das Leben von Vicco von Bülow war nicht immer von Heiterkeit geprägt. Vor allem in seiner Kindheit und Jugend musste Loriot einige Schicksalsschläge überstehen. Blicken wir zurück auf das Leben eines großen Humoristen.

Kindheit und Jugend

Am 12. November 1923 wurde Loriot als Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow, in Brandenburg an der Havel in die Adelsfamilie von Bülow geboren. Schon in jungen Jahren musste Loriot die Trennung und anschließende Scheidung seiner Eltern erleben, ehe die Mutter im Jahr 1929 starb. Während seiner Schulzeit ergreifen die Nationalsozialisten die Macht. Loriot besuchte zunächst ein Gymnasium in Berlin, nach einem Umzug schließlich in Stuttgart. Durch den Ausbruch des zweiten Weltkriegs, muss Loriot 1941 die Schule mit dem Notabitur abschließen und daraufhin eine Offizierslaufbahn einschlagen. Dort ist er unter anderem an der Ostfront im Einsatz. Auf die Frage, ob er ein guter Soldat war, antwortete er 2002 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am 20. Juli 1944 (Staufenberg-Attentat, Anm. d. Red.) zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“ Sein Bruder fiel im März 1945.

Ausbildung und erste Arbeiten

Nach dem Krieg beginnt Loriot ein Studium der Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg. Schon jetzt unterzeichnet er seine Zeichnungen mit dem Namen Loriot, der französischen Bezeichnung des Pirols, das Wappentier seiner Familie. In den 1950er-Jahren arbeitet Loriot für diverse Zeitschriften als Cartoonist. Hier muss er viel Kritik einstecken, da er Hunde wie Menschen sprechen lässt, was viele Leser empört. Loriot nutzt dies und bringt mehrere Bücher mit Karikaturen auf den Markt, mit Titeln wie „Auf den Hund gekommen. 44 lieblose Zeichnungen“, „Umgang mit Tieren“ oder „Wahren Geschichten, erlogen von Loriot“. Seine ersten Erfolge.

Fernsehen, Kino und klassische Musik

In den 60er- und 70er-Jahren beginnt Loriot für das Fernsehen zu arbeiten. Große Bekanntheit widerfährt dem von ihm kreierten Zeichentrickhund „Wum“, der in den ZDF-Quizshows „Drei mal Neun“ und „Der große Preis“ zum Einsatz kommt. 1976 wird erstmals die Fernsehserie „Loriot“ ausgestrahlt, die er gemeinsam mit Evelyn Hamann vom berühmten grünen Sofa aus moderiert. Aus dieser Serie stammen bekannte Sketche, wie „Herren im Bad“, „Die Jodelschule“ oder auch „Weihnachten bei Familie Hoppenstedt“. Es folgten zwei erfolgreiche Kinofilme. In den Komödien „Ödipussi“ (1988) und „Pappa ante portas“ (1991) spielte er jeweils an der Seite von Evelyn Hamann die Hauptrolle und führte Regie. Zu dieser Zeit inszenierte Loriot zudem verschiedene Opern in Stuttgart und Ludwigsburg. Zur klassischen Musik entwickelte er eine besondere Zuneigung. Seine Erzählfassung von Richard Wagners „Ring der Nibelungen“, wird heut noch aufgeführt.

Privates, Auszeichnungen und Tod

Bereits seit 1951 war Loriot mit Rose-Marie Schlumborn verheiratet. Zusammen haben sie zwei Töchter. Seit 1963 lebte die Familie in Münsing am Starnberger See. Loriot hat in Brandenburg an der Havel die Vicco-von-Bülow-Stiftung ins Leben gerufen, die sich für den Erhalt von Denkmälern und Kunstschätzen einsetzt und bedürftige Einwohner der Stadt unterstützt. Loriot hat mehrere Auszeichnungen erhalten. Unter anderem wurde er 2007 in der ZDF-Sendung „Unsere Besten“ zum besten Komiker gewählt. Er starb schließlich am 22. August 2011 in seinem Haus in Münsing. Begraben ist er in Berlin.

Was bleibt sind die gut durchdachten Sketche, Filme und auch Zeichnungen Loriots, die durch den feinen Humor, mit welchem er die Probleme zwischen Mann und Frau und die Katastrophen des Alltags portraitierte, auch heute noch zahlreiche Menschen zum Lachen bringen. Bei einem Blick auf die heutige „Comedy“, wie dem Sat 1-Fun Freitag oder jeglicher Radiocomedy, bleibt ein Gedanke zurück: Früher war mehr Lametta. In diesem Sinne wollen wir mir einer Hommage an Loriot und die Traueranzeige des Art Directors Club in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach Loriots Tod abschließen:

„Lieber Gott, weiterhin viel Spaß!“