Thomas Becker, der stellvertretende Leiter der Arbeitsagentur Koblenz-Mayen, erklärt die Gründe für den Anstieg an Arbeitslosigkeit in den Kreisen Mayen-Koblenz, Ahrweiler und Cochem-Zell.

Kreis Mayen-Koblenz/Ahrweiler/Cochem-Zell |

Wie erwartet sind die Zahlen der arbeitslosen Menschen in und um Koblenz, im Landkreis Ahrweiler und im Landkreis Cochem-Zell zum Jahresende leicht angestiegen. Mit Ausnahme von Cochem-Zell haben die Landkreise konjunkturelle Eintrübungen über das komplette Jahr erfahren müssen.

Der Arbeitsmarkt folgt damit dem typischen saisonalen Verlauf, der die Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten je nach Witterung mehr oder weniger stark ansteigen lässt. Viele gastronomische Betriebe gehen in diesen Wochen in die Winterpause, was stets für einen Anstieg der Arbeitslosigkeit sorgt. Wegen der eher milden Temperaturen gab es dagegen in vielen Außenberufen wie Garten- oder Straßenbau bislang nur wenige Arbeitslosmeldungen.

-Stellvertretender Leiter der Arbeitsagentur Koblenz-Mayen Thomas Becker

Die weitere Entwicklung hänge maßgeblich vom Wetter ab.

In milden Wintern müssen temperaturabhängige Arbeiten eventuell nur an wenigen Tagen ruhen, was in vielen Betrieben durch den Abbau von Überstunden abgefangen werden kann, so dass es kaum noch zu weiteren saisonalen Entlassungen kommt. Bei starkem Frost können die Zahlen aber auch für einige Wochen nach oben schnellen. Dagegen starten Hotels und Pensionen meist vor den Osterferien wieder durch und stellen einige Wochen vorher vermehrt Personal ein. Zum Frühjahr hin erfährt der Arbeitsmarkt durch diese Effekte deshalb eine deutliche Belebung.

- Thomas Becker

Von diesem vorübergehenden Anstieg der Arbeitslosigkeit abgesehen habe die Arbeitsagentur im Kreis Mayen-Koblenz und im Kreis Ahrweiler das ganze Jahr 2023 über aber auch eine konjunkturelle Eintrübung festgestellt, räumt Becker ein. Die saisonale Belebung des Frühlings ist wohl eher verhalten ausgefallen und habe sich das ganze Jahr über nie erholen können.

Anders als die Nachbarkreise konnte Cochem-Zell sich allerdings ab der Jahresmitte wesentlich besser erholen, was vor allem auf die besondere Branchenstruktur an der Mosel mit einem ausgeprägten Tourismusschwerpunkt zurückzuführen sei, meint Becker. Offensichtlich konnte die Region nach einem eher schwachen Saisonstart im Frühjahr in den letzten Monaten deutlich mehr Gäste anziehen als 2022.

Die in ganz Deutschland diskutierte Konjunkturflaute lässt sich somit auch in der Region ablesen. Da die meisten Probleme, die dieser Entwicklung zugrunde liegen, globaler Natur sind, müssen sie größtenteils auch global gelöst werden. Krisen gehen früher oder später vorüber. Demografische und technische Veränderungen werden den Arbeitsmarkt auf Dauer bestimmen. Das sollten Unternehmen und Beschäftigte trotz aller akuten Sorgen bedenken.

- Thomas Becker

Koblenz und Kreis MYK

In Koblenz zählten die Statistiker im Dezember 3.839 Frauen und Männer ohne Beschäftigung. Das sind 107 mehr als im November und 336 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt zurzeit bei 6,1 Prozent und damit um 0,2 Punkte über dem Vormonatswert und um 0,5 Punkte über jenem von Dezember 2022. Im Landkreis Mayen-Koblenz wurden zum Jahresende 4.435 Arbeitslose gezählt – 207 mehr als vier Wochen zuvor und 553 mehr als im Dezember 2022. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,2 Punkte auf 3,8 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 3,3 Prozent.

Dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen wurden im Dezember 216 neue Stellen aus dem Landkreis und 305 aus der Stadt gemeldet. Derzeit liegen der Agentur 1.697 Stellenangebote aus Koblenz und 1.641 aus dem MYK-Kreis vor.

2023 waren im Durchschnitt 3.853 Koblenzerinnen und Koblenzer arbeitslos gemeldet. 2022 waren es 3.620. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag 2023 bei 6,1 Prozent und damit um 0,3 Punkte höher als im Jahr zuvor. Im Landkreis Mayen-Koblenz waren im abgelaufenen Jahr durchschnittlich 4.318 Menschen arbeitslos gemeldet. 2022 waren es noch 3.751. Die Arbeitslosenquote lag 2023 im Schnitt bei 3,7 und im Jahr zuvor bei 3,2 Prozent.

Bei den gemeldeten offenen Stellen fällt die Bilanz in Stadt und Landkreis unterschiedlich aus: Deren durchschnittliche Zahl lag 2023 in Koblenz bei 1.799 und damit um 40 höher als 2022. Im MYK-Kreis gingen die Meldungen deutlich zurück. 2023 gab es durchschnittlich 1.789 Stellenangebote, 2022 waren es noch 1.943.

Landkreis Ahrweiler

Im Landkreis Ahrweiler zählten die Statistiker im Dezember 2.619 Frauen und Männer ohne Beschäftigung. Das sind 74 mehr als im November und 211 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt zurzeit bei 3,8 Prozent und damit um 0,1 Punkte über dem Vormonatswert und um 0,3 Punkte über jenem von Dezember 2022.

Dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen wurden im Dezember 116 neue Stellen aus dem Landkreis gemeldet, das sind exakt so viele wie im November. Derzeit liegen der Agentur 756 Stellenangebote aus der Region vor.

Im Durchschnitt waren 2.533 Bewohnerinnen und Bewohner des Ahrkreises in 2023 arbeitslos gemeldet. 2022 waren es 2.393. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag 2023 bei 3,7 Prozent und damit um 0,3 Punkte höher als im Jahr zuvor. Auch bei den gemeldeten offenen Stellen gibt es Unterschiede: Deren Zahl lang 2023 bei 801 und 2022 bei 897.

Landkreis Cochem-Zell

Im Landkreis Cochem-Zell zählten die Statistiker im Dezember 1.393 Frauen und Männer ohne Beschäftigung. Das sind 137 mehr als im November, aber 60 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt zurzeit bei 4,1 Prozent und damit um 0,4 Punkte über dem Vormonatswert und um 0,2 Punkte unter jenem von Dezember 2022.

Dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen wurden im Dezember 101 neue Stellen aus dem Landkreis gemeldet, das sind 18 mehr als im November. Derzeit liegen der Agentur 542 Stellenangebote aus dem Landkreis vor.

Trotz der günstigen konjunkturellen Entwicklung ab Jahresmitte konnten die Verzögerungen zum Jahresbeginn nicht vollständig aufgeholt werden. So waren 2023 im Durchschnitt 1.347 Menschen aus dem COC-Kreis arbeitslos gemeldet. 2022 waren es 1.238. Die Arbeitslosenquote lag 2023 bei 4,0 Prozent und damit um 3 Punkte höher als im Jahr zuvor. Bei den gemeldeten offenen Stellen gibt es dagegen kaum Unterschiede: Deren Zahl lag 2023 bei durchschnittlich 523 und 2022 bei 524.