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Jahrestag der Ahrflut: Chronik einer Katastrophe

Altenahr-Kreuzberg am 15. Juli 2021, dem Morgen nach der Flutnacht. (Bildrechte am Ende des Textes)


Vor mittlerweile einem Jahr suchte ein Jahrhundert-Hochwasser den Südwesten der Bundesrepublik heim. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 starben alleine im Ahrtal mindestens 134 Menschen, zwei weitere werden bis heute vermisst. aktuell4u blickt auf eine Nacht zurück, die das Leben so Vieler verändern sollte.

Mittwoch, 14. Juli 2021:
  • 10:00 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor "extremem Unwetter" in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Es ist nicht die erste Warnung. Schon am Montag alamierte die Behörde die Hochwasserzentralen der Länder vor Überflutungen.
  • 11:17 Uhr: Das Landesumweltamt Rheinland-Pfalz ruft für das Einzugsgebiet an der Ahr die zweithöchste Warnstufe aus. Stufe rot bedeutet "hohe Hochwassergefährdung". Die Bevölkerung wird über die Katwarn-App vor "schnell ansteigenden Wasserständen" gewarnt.
  • 14:30 Uhr: Bereits jetzt liegt der Pegelstand, der normaerweise deutlich unter einem Meter liegt, bei 1,38 Meter.
  • 14:34 Uhr: Über die Katwarn-App erreicht die Bevölkerung eine neue Warnung: Es sei "örtlich mit Überschwemmungen zu rechnen". Man solle "bei Überschwemmungsgefahr nicht in Keller und Tiefgaragen" gehen.
  • 15:26 Uhr: Das Landesumweltamt prognostiziert einen möglichen Pegelstand von 5,19 Metern. Der bisher gemessene Höchststand lag 2016 bei 3,71 Metern.
  • 17:17 Uhr: In der Katwarn-App wird durch das Landesumweltamt mit violett die höchste Warnstufe ausgerufen:

An der Ahr und ihren Zuflüssen ist die Hochwassergefahr sehr groß. Innerhalb der nächsten 24 Stunden ist mit Sturzfluten und Überflutungen zu rechnen. 

  • 17:40 Uhr: Von der Kreisverwaltung Ahrweiler wird die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen. Damit werden die Warnungen des Landesumweltamts nicht übernommen. Im Gebäude der Kreisverwaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler wird jedoch ein Krisenstab gebildet
  • 18:25 Uhr: Die Prognose zum Pegelhöchststand wird vom Landesumweltamt auf vier Meter nach unten korrigiert.
  • 19:00 Uhr: Roger Lewentz (Innenminister von Rheinland-Pfalz) und Jürgen Pföhler (Landrat Kreis Ahrweiler) treffen in der Einsatzzentrale des Krisenstabs ein. Pföhler bleibt nur für ein Pressefoto. Lewentz verlässt die Zentrale nach einer halben Stunde.
  • 19:30 Uhr: Der Pegelstand der Ahr übertrifft in Altenahr den Höchstwert von 3,71 Metern aus dem Jahr 2016.
  • 19:57 Uhr: Die Pegelstand-Prognose wird vom Landesumweltamt wieder auf 5,30 Meter angehoben.
  • 20:43 Uhr: Erneut wird die Pegelstand-Prognose angehoben. Diesmal auf 6,81 Meter.
  • 20:45 Uhr: Zum letzten Mal liegt für Altenahr ein genauer Pegelwert vor. Dieser liegt nun bereits bei 5,75 Metern. Anschließend wird die Pegellatte zusammen mit dem kleinen Häuschen, an dem sie angebracht war, von den Wassermassen abgerissen und weggeschwemmt.
  • 20:56 Uhr: Die Bevölkerung wird auf Twitter von der Kreisverwaltung Ahrweiler vor "Sturzfluten und Überflutungen" gewarnt. Zudem wird von einem Pegelstand von 5,09 Metern in Altenahr berichtet.
  • 23:09 Uhr: Der Kreis Ahrweiler löst die höchste Warnstufe und damit den Katastrophenalarm aus und ruft zur Evakuierung auf:

Aufgrund der starken Regenereignisse sollen die Bewohnerinnen und Bewohner der Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Bad Bodendorf, die 50 m rechts und 50 m links von der Ahr wohnen, ihre Wohnungen verlassen.

Donnerstag, 15. Juli 2021
  • 0:22 Uhr: Über Nacht hat der Regen aufgehört. Die zwischenzeitlichen Pegelhöchststände werden vom Landesumweltamt auf über sieben Meter geschätzt. Genaue Angaben gibt es bis heute nicht.
  • 10:27 Uhr: Die Kreisverwaltung Ahrweiler teilt bei Twitter mit, dass sie derzeit von rund 1.300 Vermissten ausgehe. Etwa 3.500 Menschen seien in Betreuungseinrichtungen untergebracht. Später am Vormittag gibt es eine Pressekonferenz, an der unter anderem auch Landrat Pföhler und Innenminister Lewentz. Dabei spricht der Landrat das aus, was er und seine Kreisverwaltung in der Nacht viel zu spät erkannten. 

Dieses Hochwasser ist die größte Katastrophe im Kreis Ahrweiler seit dem Zweiten Weltkrieg. - Jürgen Pföhler (damaliger Landrat vom Kreis Ahrweiler)

Foto: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=107715827

 Die Angaben beruhen auf Recherchen des WDR.