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Die Bedrohung als Déjà-vu

Die Platte von Sting aus dem Jahr 1985 ist vielleicht aktueller denn je. (Bildrechte am Ende des Textes)


Der Tag beginnt mit Ärgernissen. Den Wassertank füllen, gibt die Espressomaschine zum Besten. Nachdem der Tank im Halbschlaf wieder eingesetzt ist, lautet der Befehl: Die Tropfschale leeren. Der Weg zum ersten Espresso scheint wie ein Slalomlauf. Meine Katze starrt mich mit ihren großen Augen vorwurfsvoll an: "Wo bleibt das Futter?“. I’m ready to rumble.

Die Zeitung zieht die Stimmung weiter runter. Seit mehr als zwei Jahren, jeden Morgen neue Rekordtodeszahlen. Nachdem Corona als Lieferant halbwegs verschwunden war, kam der Krieg. Etwas, was wir in Europa so gar nicht erwartet haben oder einfach nicht aufgepasst haben. Da war doch was. Kalter Krieg bis spät in die 80er. Déjà-vu. Ich beschließe nach dem Frühstück, meinen CD/LP Schrank nach der alten "Dream of the Blue Turtles" LP von Sting zu durchwühlen. Das Ding stammt aus 1985. Ich habe Sting nie besonders gemocht und deshalb auch kaum noch gehört. Die Stimme ist mir zu hoch; ich bevorzuge die Tieferen. Aber das Lied ’Russians‘ hat mir immer imponiert. "Mister Chruschtschow said, 'We will bury you' I don't subscribe to this point of view. It'd be such an ignorant thing to do. If the Russians love their children too." 

Das mit den Kindern, wollen wir doch hoffen, geht mir durch Kopf. Eigentlich geht einem die ganze Sache kaum noch aus dem Kopf. Nachrichten aus der Ukraine tauchen überall auf. Und letztlich alles wegen einem Mann. In mir kommt der Wunsch auf, dem großen Imperator eine Mail zu schreiben. „Großer Imperator, wusstes du, dass Alexander der Große an einer Alkoholvergiftung gestorben ist, nachdem er die halbe Welt erobert hatte? MfG.“

Ich denke, dass ist mein Beitrag zur Abschreckung. Besser als 5.000 Helme. Der Tag vergeht, wie eigentlich alle in den letzten zwei Jahren. Homeoffice ist angesagt, obwohl ich es eigentlich nicht so richtig mag. Bevor ich einschlafe denke ich darüber nach, was aus meiner Katze wird, wenn der atomare Supergau eintritt, der ständig angedroht wird. Sie wird ziemlich sauer sein, da sie durchgehende Bedienung gewohnt ist.

Hätten wir doch besser Sting zugehört. Ich hoffe, die Russen lieben ihre Katzen auch.

Foto: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14906798