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Test: THEA500 Mini, Kult-Computer der Achtziger im Mini-Format


Name: THEA500 Mini
Genre: Hardware
Entwickler: Retro Games
Publisher: Koch Media
Plattform: -
Veröffentlichung: 08.04.2022
Preis: ca. 129,99 Euro (UVP)

Kult-Computer der Achtziger im Mini-Format

Mitte der Achtziger präsentierte Commodore mit dem Amiga den Nachfolger des bliebten C-64, wobei sich vor allem der Amiga 500 großer Beliebtheit erfreute. Jetzt feiert der Kult-Computer ein Comeback im geschrumpften Format: Mit THEA500 Mini lädt Hersteller Retro Games mit 25 vorinstallierten Klassikern zu einer kleinen Zeitreise in die 16-Bit-Ära der Videospielunterhaltung ein. Lohnt sich die Rückkehr zu den Pixeln und Chipsound-Klängen?

Ein teurer Retro-Spaß

Knapp 130 Euro sind für THEA500 Mini fällig – das ist eine Menge Geld für ein paar angestaubte Retro-Spiele, die man sich illegalerweise auch mit wenigen Klicks aus dem Internet besorgen und mit kostenlosen Emulatoren wie WinUAE am PC oder selbst mobilen Geräten nutzen könnte. Allerdings setzt die Einrichtung der Programme aufgrund zahlreicher Einstellungsmöglichkeiten sowie Hürden eine gewisse Expertise voraus und könnte Laien überfordern. In dieser Hinsicht spielt der Mini-Amiga seinen großen Vorteil aus: Genau wie eine übliche Spielkonsole ist das Gerät mit seinem liebevoll gestalteten Gehäuse im Handumdrehen betriebsbereit und lässt sich intuitiv mit dem mitgelieferten Gamepad bedienen, dessen Form an die gescheiterte Amiga-Konsole CD32 angelehnt ist. Eine passendere Wahl wäre allerdings ein Competition Pro Joystick gewesen, den Retro Games bereits seiner Neuauflage des C-64 beigelegt hatte. Schön: Dieser lässt sich genauso am A500 Mini verwenden wie andere USB-Versionen des Kult-Joysticks und selbst Controller von der PlayStation 3 & PlayStation 4 funktionieren tadellos. Pads von der Xbox werden dagegen nicht erkannt und leider scheidet auch der offizielle USB-Nachbau des Mega-Drive-Controllers von Retro-Bit aus.

Die mitgelieferte Zwei-Tasten-Maus, die abseits des moderneren und präziseren Laser-Sensors an der Unterseite als kleinerer Zwilling des Originals durchgehen könnte, lässt sich ebenfalls durch PC-Peripherie (sogar kabellos!) ersetzen und eignet sich vor allem zum Spielen von Point'n'Click-Adventures wie dem enthaltenen Simon The Sorcerer. Darüber hinaus befindet sich ein HDMI-Kabel zum Anschluss an den TV und ein USB-C-Kabel für die Energieversorgung im Lieferumfang – beide im stilechten und perfekt zum Gehäuse passenden Grauton. Einen Netzstecker zum Betreiben an der Steckdose fehlt allerdings, doch lässt sich quasi jeder Ladestecker eines Handys verwenden, der 5 Volt bei einem Ampere liefert.

Keine Tastatur und wenig Zusatzfunktionen

Viele der alten Amiga-Spiele haben früher die Tastatur als zusätzliche Eingabemöglichkeit zu Maus und Joystick genutzt. Da die putzigen Tasten auf dem Gehäuse leider nur einen dekorativen Zweck erfüllen und die Bedienung über die virtuelle Tastatur ziemlich umständlich und damit suboptimal ausfällt, lässt sich alternativ eine externe USB-Tastatur anschließen. Bei Spielen wie Pinball Dreams werden ursprüngliche Tastatureingaben zwar schon automatisch auf das Gamepad gelegt, aber es gibt für die vorinstallierten Spiele leider keine Optionen, ausgewählte Tasten manuell auf die Knöpfe des Controllers zu legen bzw. die Steuerung selbst zu konfigurieren. Das und weitere Einstellungen sind erst bei Titeln möglich, die man nachträglich über einen USB-Stick der Spieleauswahl hinzufügt, dazu gleich mehr. 

Ansonsten fallen die Anpassungsmöglichkeiten und Funktionen eher spärlich aus: Man hat zwar die Wahl zwischen verschiedenen Bildformaten mit optionalen Glättungs- sowie CRT-Filtern und darf für jedes Spiel jederzeit Speicherstände anlegen, doch die nützliche Rückspulfunktion wie bei anderen Mini-Konsolen gibt es hier nicht, mit der man sich angesichts der bockschweren Herausforderungen viel Frust ersparen könnte. Schade zudem, dass man beim Sound die strikte Trennung im Stereo-Feld nicht anpassen und die vier Kanäle für einen angenehmeren Klang stärker vermischen darf, wie es diverse Emulatoren erlauben.

Mehr Spiele per WHDLoad

Die 25 vorinstallierten Spiele (siehe Liste) umfassen zwar zahlreiche Genres von der Raumschiff-Action über Renn- und Sportspiele bis hin zum Grafikadventure, aber dennoch vermisst man viele große Hits, die die Amiga-Ära geprägt haben – allen voran Turrican, Lotus, Lemmings und die kultigen Abenteuer von Lucasfilm Games wie The Secret of Monkey, Maniac Mansion oder Indiana Jones and the Fate of Atlantis. Darüber hinaus findet man lediglich die englischen Versionen, obwohl es einige Spiele im Original auch auf Deutsch gegeben hat.

Das mag aus lizenzrechtlichen Gründen nicht möglich sein, aber zumindest hat Retro Games ein Hintertürchen eingebaut: Weitere Amiga-Spiele lassen sich über einen USB-Stick mit dem System nutzen. Das dafür nötige WHDLoad-Paket erhält man auf der offiziellen Website, inklusive des Bonus-Spiels Citadel. Die Möglichkeit zum Importieren weiterer Spiele steigert die Attraktivität des kleinen Amigas enorm, zumal neben dem ursprünglichen Amiga 500 (OCS) auch das Enhanced Chipset späterer Modelle (ECS) und sogar die Advanced Graphics Architecture (AGA) des A1200 mit bis zu 256 Farben sowie das CD32 emuliert werden. Allerdings erfordern manche dieser Spiele weitere Einstellungen, um zu starten, was unter Umständen viel Fummelarbeit und Ausprobieren erfordert und selbst dann nicht immer zum gewünschten Erfolg führt. Schade zudem, dass das populäre ADF-Dateisystem nicht unterstützt wird, allerdings könnte die Funktion später mit einem Firmware-Update nachgereicht werden. Wie immer gilt: Legal darf man diese Kopien nur dann verwenden, wenn man die Originalspiele im Schrank stehen hat!

Eine kleine Warnung ist außerdem aus anderen Gründen angebracht: Wer sich die schönen, wenn auch verklärten Erinnerungen an die Spieleklassiker bewahren will, sollte besser einen großen Bogen um den A500 Mini und auch Emulatoren machen. Ansonsten droht die Gefahr eines Realitäts-Schocks mit der traurigen Erkenntnis, dass die Highlights von damals vielleicht doch nicht so gut gealtert sind, wie man es vielleicht gedacht und erwartet hat.  

Fazit:

THEA500 Mini ist eine schöne Zeitreise zurück in die Spielewelten der Achtziger und Neunziger. Beim (zu) hoch angesetzten Preis von knapp 130 Euro sollte man trotzdem abwägen, ob einem dieser Retro-Trip so viel wert ist, zumal die Liste an vorinstallierten Spielen viele Wünsche offen lässt. Für den Mini-Amiga spricht auf jeden Fall das wünderschon nachgebildete Modell, selbst wenn sich Tastatur und Laufwerk leider nicht nutzen lassen. Die Option, weitere Software per USB hinzuzufügen, ist ebenfalls ein großes, wenn nicht sogar das entscheidende Plus des Geräts. Wer also schnell und möglichst unkompliziert die Klassiker von damals auf einem aktuellen TV erleben möchte, findet im A500 Mini ein ordentliches Komplettpaket. Profis können dagegen bei Emulatoren bleiben, sich günstiger einen Raspberry Pi mit noch mehr Funktionalität zusammenschrauben oder sich auf eBay & Co nach einem Original-Amiga umschauen, wobei die Preise für Commodores Kult-Computer zunehmend in die Höhe schnellen und der Anschluss an moderne Fernseher nur über Umwege möglich ist.  

 Worum geht’s?
Beim THEA500 Mini handelt es sich um eine miniaturisierte Neuauflage des Kult-Computers aus den Achtzigern mit 25 vorinstallierten Spielen, die allesamt emuliert werden. Neben allen für den Betrieb nötigen Kabeln sind auch eine kleine Maus im Original-Design und ein Gamepad im Lieferumfang enthalten.

THEA500 Mini ist geeignet für:
- Retro-Liebhaber, die mit dem Commodore Amiga aufgewachsen sind
- Sammler von Classic-Mini-Konsolen
- Spieler, die ohne großen Aufwand eine Zeitreise in die Spielevergangenheit erleben wollen

THEA500 Mini ist weniger geeignet für Spieler, die...
- sich schon am PC oder anderen Geräten mit Emulatoren die Retro-Dosis verpassen
- nicht bereit sind, den überzogenen Preis für „olle Software-Kamellen im schicken Gehäuse“ zu zahlen
- alle prägenden Spiele aus der Amiga-Ära in der vorinstallierten Bibliothek erwarten

Alternativen: Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System, Sega Mega Drive Mini, Amiga 500 (gebraucht)