Am 1. September endet der Tankrabatt. Der ADAC Mittelrhein gibt Einschätzungen und Empfehlungen zu den wesentlichen Fragestellungen.

Koblenz |

Am 1. September endet der von der Bundesregierung für drei Monate eingeführte Tankrabatt. Wie kann dieser in der Rückbetrachtung bewertet werden? Wie geht es jetzt weiter? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der ADAC im folgenden und gibt Tipps zum Spritsparen.

Wie beurteilt der ADAC den Tankrabatt in der Rückschau?

Der ADAC hat zu keiner Zeit einen Tankrabatt gefordert. Wichtig war uns jedoch, angesichts steigender Kraftstoffpreise auf die wachsenden finanziellen Sorgen der Autofahrer hinzuweisen, insbesondere der Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind. Daher hat der ADAC die befristete Steuersenkung als kurzzeitige Entlastung mitgetragen. Der Tankrabatt ist nur teilweise bei den Verbrauchern angekommen. Bei Benzin ergaben ADAC Berechnungen zeitweise eine Überhöhung der Preise im Vergleich zu den Rohöl- und Dollarnotierungen von mehr als 20 Cent je Liter. Der Preis für Diesel ist schwerer zu beurteilen, hier spielen neben dem Ölpreis und dem Euro/US-Dollar Wechselkurs noch weitere Sonderfaktoren eine Rolle. Die Kraftstoffpreise waren auf dieser Basis bereits vor der Steuersenkung zum 1. Juni viel zu hoch, sie sind es aber auch während der Rabattaktion geblieben. Lediglich die Steuern wurden abgesenkt, das Preisniveau blieb stets zu hoch.

Haben sich die Tankstellenbetreiber/Mineralölgesellschaften bereichert?

Brancheninterne Daten zeigen, dass die Bruttomargen im Raffineriebereich sich in Deutschland seit Jahresbeginn mehr als vervierfacht haben (variiert aufgrund dynamischer Entwicklungen). Somit kann man sagen, dass die Mineralölgesellschaften große Profiteure der hohen Preise sind. Dies wird auch durch die aktuelle Gewinnentwicklung der Ölkonzerne belegt.

Wieviel ist beim Verbraucher vom Tankrabatt hängengeblieben? Sind die Effekte messbar? Oder verpuffen offensichtlich solche Steuerabsenkungen und man sollte künftig darauf verzichten?

Es war von Anfang an klar, dass die Steuersenkung nur befristet gilt. Natürlich gab es eine Entlastung, auch wenn diese aus Sicht der Autofahrer nicht ausgereicht hat. Das eigentliche Problem, die Entkopplung zwischen Rohölpreis und Euro/Dollar-Wechselkurs einerseits und den Kraftstoffpreisen andererseits, wurde durch den Tankrabatt nicht beseitigt, es wurde nur verschleiert. Der Entlastungseffekt blieb hinter den allgemeinen Erwartungen zurück.

Was ist aus Sicht des ADAC nach dem Tankrabatt ein gerechtfertigter Preis für den Liter Diesel/E10? Welche Argumente gibt es dafür?

Die Bemessungsgrundlage für die Bewertung der Kraftstoffpreise waren über Jahre und Jahrzehnte hinweg der Rohölpreis und der Euro/Dollar-Wechselkurs. Dies gilt im Grundsatz auch weiterhin aus Sicht des ADAC. Gemessen an diesen fundamentalen Rahmenbedingungen ist der Benzinpreis seit rund fünf Monaten sehr deutlich zu hoch. Ganz besonders betroffen sind derzeit aber die Dieselfahrer, da hier die Tankstellenpreise überproportional gestiegen sind.

Wie können Verbraucher den klassischen Argumenten der Mineralölindustrie entgegentreten?

Die Verbraucher können etwas gegen die Preise tun: Preisbewusstes Tankverhalten, vergleichen und informieren sind nach wie vor das beste Mittel, um überhöhten Preisen etwas entgegenzusetzen. Intensiver Wettbewerb kann Preise senken. Unsere Auswertungen zeigen, dass Benzin und Diesel morgens gegen sieben Uhr am meisten kosten, in den Abendstunden zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten sind. Wer dann tankt, kann im Schnitt bis zu sieben Cent je Liter sparen.

Ist der ADAC für eine Verlängerung der Steuerabsenkung? 

Der ADAC plädiert nicht für eine Verlängerung der Steuersenkung. Wichtig ist aber, die finanziellen Belastungen der Autofahrer im Blick zu behalten. Große Hoffnung setzt der ADAC in die laufende Sektoruntersuchung des Bundeskartellamtes, die sich schwerpunktmäßig mit dem Raffinerie- und Großhandelsmarkt bei Mineralöl befasst. Ziel muss es sein, Licht ins Dunkel bei der Bewertung der Preise und Gewinne der Mineralölkonzerne zu bringen.

Gibt es darüber hinaus politische Forderungen, auch mit Hinblick auf eine evtl. Klimaabgabe für Verbrenner?

Die auf 38 Cent erhöhte Entfernungspauschale für den Arbeitsweg muss aus Sicht des ADAC ab dem 1. Kilometer gelten, nicht erst ab dem 21. Kilometer. Denn die eingetretene deutliche Verteuerung von Kraftstoffen wirkt ja nicht erst ab dem 21. Kilometer.

Wie entwickeln sich nun die Preise? Werden wir bald an den Tankstellen wieder Spritpreise weit jenseits der Zwei-Euro-Grenze sehen?

Wenn die alte Energiesteuer wieder greift, sind Kraftstoffpreise jenseits der zwei Euro Marke nicht auszuschließen. Nach heutigem Stand (Super E10 1,699 je Liter / Diesel 1,884 Euro je Liter) würden beide Sorten rund 2,05 Euro kosten, weil für Benzin wieder 35 Cent je Liter dazu kommen, für Diesel 17 Cent. Allerdings kann eine weitere Entspannung am Rohölmarkt und verstärkter Wettbewerb dazu führen, dass die Kraftstoffpreise in den kommenden Wochen weiter sinken und dann trotz Steueranhebung der Preis unter der zwei Euro Marke bleibt.

Mehr Transparenz bei der Preisbildung: Bekommt das Bundeskartellamt künftig mehr Handlungsspielräume ggü. den Mineralölkonzernen?

Die aktuelle Untersuchung des Bundeskartellamtes war seit langem angekündigt und wird jetzt von der Behörde vorangetrieben. Inwieweit das Kartellamt zusätzliche Handlungsspielräume bekommen wird, ist derzeit noch offen. Das öffentliche Interesse an mehr Transparenz auf dem Mineralölmarkt dürfte aber die Handlungsmöglichkeiten des Bundeskartellamtes eher vergrößern