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Jürgen und Achim Nett vom AC Mayen mit Comeback und Podestplatz bei der Nürburgring Langstrecken Serie

Jürgen (links) und Achim Nett mit ihrem Peugeot 308 Racing Cup TCR in der Boxengasse. (Bild: Andreas Krein)


Fast 36 Monate fristete der Peugeot 308 Racing Cup TCR ein Dasein als Ausstellungsstück im von seinen Fahrern, den Brüdern Jürgen und Achim Nett, geführten Autohaus in der Koblenzer Straße in Mayen. Nach zwei Meistertiteln in der Klasse SP2T in den Jahren 2018 und 2019, war bereits für 2020 die Rückkehr in die TCR-Klasse angedacht. Dann kam die Corona-Pandemie und änderte alles. Zwar waren beide Brüder hin und wieder für andere Teams auf anderen Fabrikaten auf dem Nürburging aktiv (wir berichteten), doch erst mit dem siebten Lauf der NLS (Nürburgring Langstrecken Serie)-Saison 2022, dem 54. ZEWOTHERM ADAC Barbarossapreis, wurde das Comeback mit dem hauseigenen Motorsport-Team vollzogen.

Die Test- und Einstellfahrten am Freitag nutze man zum Einen, um den Peugeot 308 einem ausgiebigen Funktionstest zu unterziehen, zum Anderen feierte auch der liebevoll als „Alteisen“ bezeichnete Peugeot 306 S16 (Baujahr 1998, aktueller Kilometerstand bei knapp 223.000 km) sein Comeback und bescherte einigen Gästen des Teams ein unvergessliches Erlebnis in Form einer Taxifahrt über die legendäre Nürburgring Nordschleife.

Nichtsdestotrotz startete der Samstag mit einem kleinen Rückschlag. Auf seiner letzten Qualifikationsrunde hatte Jürgen Nett den dritten Startplatz in der Klasse in Aussicht, als die Benzinzufuhr versagte. Obwohl noch ca. zehn Liter im Tank waren, rollte der 55-jährige Routinier aus. Somit musste man sich mit dem fünften Startplatz begnügen. In der Reparaturpause wechselte Chefmechaniker Lothar Gäb die Hochdruckpumpe und die Vorförderpumpe im Tank, um ähnliche Probleme im Rennen zu vermeiden.

Gerade, als sich das 132 Fahrzeuge umfassende Starterfeld für die Fahrt in die Startaufstellung bereit machte, hielten die Wolken dem Regendruck nicht mehr Stand und der Himmel öffnete kurzzeitig seine Schleusen. Noch während des wie immer für alle Zuschauer offenen Gridwalks, kam dann jedoch schon wieder die Sonne hervor. Daher entschied Startfahrer Jürgen Nett gemeinsam mit Renn-Ingenieur Christian Erben, das Rennen auf profillosen Slicks anzugehen. Nun spielte sich die Erfahrung des Serien-Gesamtsiegers von 1987 aus: obwohl die Strecke auf weiten Teilen immer noch feucht bis nass war, schaffte Jürgen Nett es, den Peugeot auf dem dritten Platz in der Klasse zu bewegen. Dass der 308 mit seinem 1,6-Liter-Motor gegenüber der Konkurrenz mit ihren 2-Liter-Maschinen naturgemäß mit einem Leistungsdefizit zu kämpfen hat, machte diese Herausforderung nicht gerade kleiner. Zeitweise sogar auf den zweiten Platz vorgerückt, übergab Jürgen Nett dann schließlich auf Platz drei liegend an seinen jüngeren Bruder Achim. Dass es überhaupt zu einer schadlosen Übergabe des Fahrzeugs vor der Box kam, war ebenso dem Können von Jürgen Nett zu verdanken. Im Abschnitt Hatzenbach rutschte der Wagen auf einer nicht angezeigten Ölspur aus. Ein Einschlag konnte jedoch verhindert werden. Zudem kam es zu Wildwechsel auf der Strecke. Nicht etwa passenderweise in der Fuchsröhre, sondern im Streckenabschnitt Flugplatz, hatte sich ein Fuchs auf die Fahrbahn verirrt.

„Ich war nicht unfroh, das Auto an Achim übergeben zu können. Mein Stint war doch einigermaßen anstrengend“, so Jürgen Nett.

Achim Nett indes glänzte ebenso mit sehr guten Rundenzeiten, und konnte so die Konkurrenten auf Cupra Leon respektive VW Golf VII GTI hinter sich halten, und blieb auf Schlagdistanz zu den beiden führenden Audi RS3 LMS von Scherer Sport und Mǿller Bil aus Norwegen. Letzterer wurde wie üblich ebenso wie der Nett‘sche Peugeot von Bonk Motorsport aus Münster betreut, wodurch man sich sogar ein und dieselbe Box teilte. Zwischenzeitlich fing es wieder an zu regnen und somit fand auch der 53-jährige Achim Nett erschwerte Bedingungen vor.

Gegen Rennende übernahm dann Jürgen Nett nochmals das Steuer auf immer noch feuchter Piste. Sicher auf Platz drei liegend profitierte man dann vom Ausfall des Scherer-Audis und beerbte den zweiten Platz. Hierzu Achim Nett: „Das ganze Team ist natürlich mega happy! Nach so langer Zeit haben die Abläufe so funktioniert, als hätte es die lange Pause gar nicht gegeben. Jürgen und ich haben zwar das Fahrzeug auf der Strecke bewegt, aber dieser Podiumsplatz war ganz klar eine Teamleistung im wahrsten Sinne des Wortes.“

Beflügelt von diesem guten Resultat, entschloss Achim Nett sich, gemeinsam mit Raphael Hundeborn den RCN (Rundstrecken Challenge Nürburgring)-Lauf tags darauf auf einem Opel Astra zu bestreiten – insofern passend, als dass das Autohaus Nett seit Sommer diesen Jahres auch Vertragshändler für die Marke mit dem Blitz ist.

Wie geht es mit Nett Motorsport weiter? Der Hoffnung, den Peugeot 308 diese Jahr noch einmal auf der Strecke , verpasst Jürgen Nett einen vorsichtigen Dämpfer. „Der nächste Lauf ist für meinen Bruder und mich terminlich nicht zu realisieren, und der Nachholtermin im November könnte dem Eifelwetter zum Opfer fallen.“ Die Planungen für die nächste Saison laufen allerdings, auch im Hinblick auf eine Rückkehr von Bradley Philpot in das Team. Der Brite war an beiden SP2T-Titeln beteiligt und verfolgte den Lauf an diesem Samstag gespannt am Livestream und beteiligte sich an der regen Konversation in der teameigenen WhatsApp-Gruppe.