Der Vorjahressieger FV Engers soll, wenn es nach dem FV Rheinland geht, dieses Jahr nicht erneut über den Pokalsieg jubeln können (Foto: P.Seydel).

Rheinlandpokal: FV Rheinland im Clinch mit den Vereinen

Es geht hoch her im Fußballverband Rheinland. Der Anlass: die Fortsetzung des Rheinlandpokal, um nicht zu sagen, die Austragung des Finalspiels. Zu einer Informationsveranstaltung hatte das Verbandspräsidium die 37 verbliebenen Mannschaften gebeten, um die eigenen Gedanken über eine Fortsetzung zu verkünden. Dass das Ergebnis dieser Gedanken zu Unmut führte, wäre aber noch leicht untertrieben dargestellt. 

Der Vorsitzende des FV Rheinland nahm es zu Beginn gleich vorweg. Die Videokonferenz am Mittwochabend sei nicht dazu da, eine Entscheidung herbeizuführen oder über den weiteren Verlauf abzustimmen, sondern um die Vereine über die aktuelle Vorgehensweise und die Tatsache zu informieren, dass das Präsidium spätestens am 04.Mai eine Entscheidung treffen wird, wie es weitergeht. "Wir wollen nach Möglichkeiten ein Endspiel haben", sagte Walter Desch. Und das soll wie geplant am 29.Mai 2021 im Stadion Oberwerth stattfinden. Aufgrund der Meldefrist für den DFB-Pokal (01.07.2021) und der folgenden Austragung in der ersten Augustwoche, sei in 2021 kein Spielraum möglich. "Der Pokal kann nach der aktuellen Verfügungslage nicht ausgespielt werden", sagte Norbert Weise. Das Problem nur: wer soll das Pokalfinale dann bestreiten? 

Dazu präsentierte der Fußballverband in Form von Rechtswart Norbert Weise in Folge eine kreative Lösung, welche sich juristisch auf die Paragraphen § 38 i.V. mit §35.2 der Spielordnung des FV Rheinland beruft. Deren Formulierung interpretiert der Rechtswart Weise so, dass der Verband, wenn kein Teilnehmer für den DFB-Pokal rechtzeitig ermittelt werden kann, ein Teilnehmer bestimmt werden darf. Um aber zumindest ein Pokalfinale über die Bühne bringen zu können, welches im SWR live am "Finaltag der Amateure" übertragen wird, und entsprechende Sponsoren- und TV-Gelder verteilen zu können, schlägt das Präsidium des Verbandes vor, TuS Rot-Weiß Koblenz gegen den SV Eintracht Trier als Finalteilnehmer zu setzen. 

Vereine drohen mit Klagewelle - TuS Koblenz nimmt öffentlich Stellung

Wenig überraschend sorgte der Vorschlag des Verbandes, der im Vorfeld mit den beteiligten Finalteilnehmern abgestimmt war, für Unmutsbekundungen der übrigen Pokalteilnehmer. "Ich bin nicht überrascht, wie sich das hier abspielt", sagte beispielsweise Martin Hahn, Vorsitzender des Vorjahresfinalisten FV Engers und in der jüngeren Vergangenheit bereits Gegenspieler von Walter Desch. Als "grob fahrlässig" bezeichnete Christian Krey, Präsident der TuS Koblenz, die Vorgehensweise und Christian Rauen vom FSV Salmrohr ergänzte: "Wir werden klagen bis zum bitteren Ende." Präsident Walter Desch interessierte das allerdings sonderlich wenig: "Wenn die Vereine nicht einverstanden sind, können wir es trotzdem machen." Friedlicher Konsens klingt anders. 

Für Norbert Weise und das Präsidium liegt die Begründung für Regionalligist TuS Rot-Weiß Koblenz und Eintracht Trier darin, dass Koblenz die einzige Regionalliga-Mannschaft sei und damit das stärkste Team im Verband, und Trier als klarer Tabellenführer der Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar das entsprechende zweite Team. Die Stimmung im Plenum war auch mit TuS Rot-Weiß Koblenz weitestgehend d'accord, was aber insbesondere auf Eintracht Trier nicht zutraf, auch wenn Norbert Weise es als die "sportlichste Lösung" bezeichnete und kein weiteres "objektives Kriterium" sehe. Christian Krey von der TuS Koblenz wolle das "nicht akzeptieren", wie die TuS auch in einem öffentlichen Statement am Donnerstag unterstrich: "„Finaltag der Profimannschaften“. Dass hier, in einer Entscheidung im Hinterzimmer, die klassenhöchsten Vereine ausgesucht wurden, steht in einem eklatanten Widerspruch zur Idee des Pokalwettbewerbs."

Ein anderer Ansatz wurde immer wieder geblockt: Losen. Auch wenn das Glück dabei bekanntlich eine große Rolle spielt, kam das Thema wiederholt auf. So sagte Metternichs Tobias Lommer, dass zumindest ein Losen um den zweiten Teilnehmern zwischen den Oberligisten für ein bisschen mehr Fairness sorgen würde. Norbert Weise hingegen beharrte darauf, "dass es eine sportliche Lösung" gebe. 

Finanzieller Ausgleich bleibt großes Thema

Damit aber nicht genug des Ganzen. Auch über die Ausgestaltung der finanziellen Verteilung wurde intensiv diskutiert. Mindestens 1.400 € soll jeder Verein laut Kicker bei Austragung eines Finals aus dem Pool (Grundstock: 120.000 €) erhalten. Der Solidaritätsgedanke war hierbei zentrales Thema, wobei sich die Vereine im Kern einig waren: die Einnahmen sollten solidarisch aufgeteilt werden, wenn auch eine 1:1 - Verteilung aufgrund der Kostenstruktur eines DFB-Pokalspiels nicht funktioniere. Die Streithähne Walter Desch und Martin Hahn gerieten auch hier wiederholt aneinander. So warf Martin Hahn dem Präsidenten vor, falsche Zahlen zu präsentieren und bezeichnete den "Tag der Amateure" gleich als "Tag der Willkür". Eintracht Triers Vorstandssprecher Alfons Juchem ließ es sich nicht nehmen den respektlosen Ton Hahns zu tadeln, um hinterher anzubieten, sämtliche Finanzen im Nachgang solidarisch offen zu legen. 

Und wie geht es jetzt weiter? Bis zum 02.Mai sollen die Vereine online ihre Meinung via E-Mail mitteilen. Eine Entscheidung fällt dann in der Folgewoche. Christian Krey hat die verbleibenden Vereine für den 1.Mai zu einer Konferenz geladen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Fortsetzung offen. 

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