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Die WM in Katar: Fußball war nie so umstritten

Die WM findet statt, ob man will oder nicht. (Bild: Pixabay)


Da sie nun nicht mehr zu verhindern ist, sollten wir uns der 22. Fußball-Weltmeisterschaft vom 20. November bis 18. Dezember 2022  im Wüstenstaat Katar annehmen und für 29 Tage den Blick auf den Fußball richten und weniger auf das, was die letzten Monate und Jahre die Diskussion um diese umstrittenste Weltmeisterschaft in der Geschichte des Fußballs ausmachte. Das ganze Lamentieren nutzt nichts mehr, jetzt werden 32 Nationen, darunter die deutsche Nationalmannschaft, um den Titel spielen.  Bei einer WM, die wegen der Hitze in Katar vom Sommer auf den Winter verlegt wurde und die nun in Stadien mit Klimaanlagen stattfindet. Ein Paradoxon jagt das andere.

Die entscheidenden Fehler wurden 2010 gemacht. Die USA, Südkorea, Japan, Australien und Katar hatten sich um die WM 2022 beworben. In den beiden ersten Runden schieden Japan, Australien und Südkorea aus. In der entscheidenden Wahl erhielt Katar 14 Stimmen der ursprünglich einmal 24 Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, die USA brachte es auf 8 Stimmen. Zwei Exekutivmitglieder hatten sogar ihre Stimmen öffentlich angeboten. Auch der Deutsche Fußball-Bund war in dem Entscheidungsgremium vertreten. Es war nicht die erste WM-Vergabe, bei der der Verdacht der Bestechlichkeit der FIFA-Entscheidungsträger im Raum stand. Auch die WM 2006 in Deutschland hat bis heute und immer noch unaufgeklärt diesen Beigeschmack.

Katar aber war eine andere Dimension. Unmittelbar nach der Verkündung der Entscheidung für Katar am 2. Dezember 2010 in Zürich war das Thema Stimmenkauf auf der Tagesordnung. In den Jahren danach waren die Menschenrechtsverletzungen im Lande, die Intransparenz, der Umgang mit Homosexuellen und dann die Behandlung und Entlohnung der vielen Migranten, die nach Katar gekommen waren, um auf den vielen Baustellen unter teilweise unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten im Fokus. Im Februar 2021 vermeldet die englische Zeitung "The Guardian", dass 6500 tote Arbeitsmigranten zu beklagen sind. Katar spricht von 37 Toten beim Stadionbau.

Die Kritik an der FIFA, deren Präsident Infantino inzwischen in Katar lebt, ist über die Zeit immens. Einer der schärfsten Kritiker ist der langjährige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Er nennt die Vergabe der WM nach Katar ein Krebsgeschwür des Fußballs. Der Wüstenstaat lässt den Altendiezer Funktionär Zwanziger durch eine Agentur bespitzeln. Das Ziel ist, Zwanziger zu einer anderen Meinung zur WM in Katar zu verleiten, oder zumindest zu erreichen, dass er seine Kritik nicht mehr öffentlich äußert. Geldangebote für diesen Versuch der Meinungsänderung gibt es nicht, aber allein der Versuch der Bespitzelung ist beispiellos und er reiht sich ein in das Gesamtbild. Dass Katar der Stiftung des Fußballverbandes Rheinland 1 Million EURO als Hilfe für den Fußball nach der Flutkatastrophe an der Ahr anbietet und diese das Geld auch annimmt, hat anfänglich auch etwas mit dem Versuch zu tun, den damaligen Ehrenpräsidenten des Fußballverbandes Theo Zwanziger in seiner Position zu Katar zu beeinflussen.

In gut zwei Wochen beginnt eine Fußball-Weltmeisterschaft in einem Land, aus dem heraus fast alles getan wurde, um die Vorfreude auf das größte Fest des Fußballs zu vergällen. Die 23. WM findet vom 8. Juni bis 3. Juli 2026 in den USA, in Kanada und Mexiko statt.