Seit dem 1. April 2023 ist Christian Greiner (Freie Wählergruppe) Oberbürgermeister von Andernach. Wir sprachen mit dem 43-jährigen ehemaligen Oberstleutnant der Bundeswehr über sein erstes Jahr im neuen Job und was das Amt mit ihm persönlich gemacht hat.Rückblick: Wie würden Sie Ihr erstes Jahr im Amt als OB zusammenfassen?

Andernach |

Rückblick: Wie würden Sie Ihr erstes Jahr im Amt als OB zusammenfassen?

CG: Das erste Jahr fühlt sich an, als wären drei oder vier auf einmal gewesen. Die Zeit ist wahnsinnig schnell vorbeigegangen, das liegt sicherlich auch an der Vielzahl der Themen, die es zu bearbeiten gab und gibt. Das Aufgabenfeld hat sich – wie es nicht anders zu erwarten war - als sehr breitgefächert dargestellt - sehr viele Aufgaben, sehr viele Herausforderungen, aber auch sehr viele schöne Erlebnisse. Das Amt ermöglicht viele Möglichkeiten zur Gestaltung, man bekommt Einblicke und man wird sich permanent der Verantwortung als OB bewusst.

Stichwort Herausforderungen: Mit welchen großen Herausforderungen – auch persönlich - wurden Sie konfrontiert und wie sind Sie damit umgegangen?

CG: Spaßeshalber: meine Herausforderung ist, jeden Morgen entscheiden zu müssen, was man denn anzieht. Bei der Bundeswehr war das anders, da war die Uniform vorgegeben. Ich war sicher, dass ich mir bis zum Ende meines Berufslebens nicht mehr überlegen muss, was ich auf die Arbeit anziehe. Das ist jetzt anders. Aber dank der Unterstützung meiner Frau, das gebe ich gerne zu, gelingt mir bzw. uns das ganz gut!  Spaß beiseite, eine sehr große Herausforderung ist natürlich das umzusetzen, was man sich vorgenommen hat. Ich wollte von Beginn an Impulse setzen, das ist mir bisher – denke ich - ganz gut gelungen. Eine Herausforderung als OB ist auch, Rückgrat zu zeigen, für Dinge einzustehen, von denen man überzeugt ist und sich gegen Dinge zu stellen, von denen man nicht überzeugt ist. Man muss sich natürlich auch eingestehen, dass nicht alles, was man sich vorstellt, auch geht. Dies habe ich schnell gelernt. Aber dort, wo Handlungsbedarf besteht, zum Beispiel beim Katastrophenschutz, bei den Personalproblemen auf dem Arbeitsmarkt in unserer Stadt und bei dem Erzielen von Konstanz in allen Bereichen unserer Verwaltung sind wir auf dem richtigen Weg. Wir haben engagierte Mitarbeiter, die wir bei allen zukünftigen Aufgaben auch dringend benötigen. Ich möchte Andernach sinnvoll, modern und mit dem Blick für das Wesentliche weiterentwickeln, das ist mein Ziel und eine große Aufgabe.

Bürgerbeteiligung: Wie bewerten Sie die Beteiligung und das Feedback der Bürgerinnen und Bürger in Bezug den neuen OB, auf städtische Projekte und Entscheidungen?

CG: Ich habe gemerkt, dass gerade am Anfang die Erwartungshaltung sehr groß war und nach wie vor ist. Viele haben den Moment nutzen wollen, dass es einen neuen Oberbürgermeister gibt und ich habe die Termine, so gut es ging, wahrgenommen. Das endete schnell in 12-14 Stunden-Tagen, die dann schon mal sehr anstrengend waren. Aber ich sehe das trotzdem sehr positiv, da ich den Menschen versprochen habe, sie an meinem Leben als Oberbürgermeister teilhaben zu lassen. Das mache ich jetzt im Schwerpunkt, auch persönlich mit privaten Kanälen auf Instagram und Facebook, was sehr gut ankommt. Wenn ich beispielsweise erkläre, warum wir dies und jenes entschieden haben, dann ist das Feedback sehr gut, zum Beispiel zum Bau der Hochwasserschutzwand und die Weiterentwicklung beim kulturellen Eventbereich und der Transparenz der Arbeit in der Stadtverwaltung. Wir wollen Dienstleister und Partner für die Bürger von Andernach sein. Es zeigt sich aber, dass die Digitalisierung und der damit verbundene Informationsaustausch über neue Kanäle - neben den klassischen wie Print – die Zukunft ist.

Zukunftspläne: Was sind Ihre wichtigsten Ziele und Projekte für dieses Jahr was geht ob den finanziellen Rahmenbedingungen?

CG: Wir haben sehr viele Vorhaben, die stringent und parallel abgearbeitet werden müssen. Wenn man an Projekte denkt, dann vor allen Dingen an Infrastrukturprojekte im Rahmen von Baumaßnahmen. Wir haben dieses Jahr einiges vor der Brust. Wir möchten die Planung für die Feuerwache vorantreiben, damit wir dann in die Ausschreibung gehen können. Diese soll auf der Koblenzer Straße errichtet werden. Wir wollen den Anbau an der Grundschule Hasenfänger realisieren und die Pläne des Kultusministeriums für die Schulbauordnung umsetzen, also weg von dem klassischen Frontalunterricht, hin zu modernen und erfolgreichen Unterrichtsformen. Mein Ziel, die Betreuungsangebote in Kitas und Schulen auszuweiten, werden wir weiterhin forcieren, ebenso wie die Erhöhung der Attraktivität der Innenstadt. Ich möchte mich auch weiterhin um das Thema Unterbringung und Integration von Geflüchteten kümmern. Und: im Juni haben wir Kommunalwahlen und das Ergebnis wird für eine Neuordnung des Rates und der Ausschüsse sorgen, die die Zukunft der Stadt mitbestimmen. In dem Zusammenhang ist geplant, die Geschäftsordnung anzupassen, damit wir die Ratssitzungen streamen können, also eine Transparenz der Arbeit der Verwaltung und auch des Stadtrates nachvollziehbar machen. Die Bürger können dabei sein und sich einbringen, das ist mir wichtig.

Zusammenarbeit: Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit mit anderen politischen Ebenen, Nachbargemeinden und lokalen Organisationen entwickelt, fühlen Sie sich integriert!

CG: Ich bin auf den anderen politischen Ebenen und in der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und lokalen Organisationen sehr kollegial aufgenommen worden nach dem Motto “in den Farben getrennt, aber in der Sache vereint“. Es ist wichtig, dass wir auch über die Kreisgrenzen hinaus ein vertrauensvolles Verhältnis untereinander haben. Wir haben jetzt mit einigen Bürgermeistern eine regionale Info-Gruppe gegründet, die sich regelmäßig trifft und gemeinsame Probleme lösungsorientiert bespricht.

Persönliche Reflexion: Was haben Sie persönlich aus diesem ersten Jahr im Amt gelernt? Wie hat es Ihre Sicht auf die Rolle des Oberbürgermeisters und die Stadtverwaltung verändert?

CG: Natürlich beobachten alle Beteiligten den „Neuen“ – auch kritisch. Insgesamt gibt es zwischen dem Rat, den Ausschüssen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, bei den Sachthemen legen viele die Parteibrille ab und sagen: hier geht es um die Stadt. Das finde ich sehr positiv, dass es hier nicht um irgendwelche Befindlichkeiten untereinander geht. Dann habe ich an anderer Stelle auch gelernt, dass der ein oder andere Prozess seine Zeit braucht, häufiger länger als erwartet. Für mich sind das noch Erfahrungswerte, mit denen ich auch leben muss. Selbst bin ich in der Verwaltung sehr gut aufgenommen worden und gebe auch den Verantwortlichen der jeweiligen Fachbereiche den nötigen Freiraum, um mir Dinge zur Entscheidung vorzulegen, beziehungsweise zu erläutern.

Persönliche Botschaft:

CG: Ich bin froh und stolz, dass ich Oberbürgermeister dieser schönen Stadt sein darf und dass man mir das Vertrauen geschenkt hat, der Kernstadt und den vier Stadtteilen als Bürger vorzustehen. Es lohnt sich, für die Menschen von morgens bis abends unterwegs zu sein, zu unterstützen und was zu tun, was Andernach weiter bringt. Andernach ist eine liebenswerte Stadt, die sich auf einen Weg gemacht hat, eine schöne Zukunft für junge Familien und auch ältere Bürger zu bieten. Ich würde mich freuen, wenn man „meine“ Heimatstadt besucht, diese als Wohnort aussucht und hier einen attraktiven Arbeitsplatz findet.

A4u: Vielen Dank für das Gespräch.

Fragen: Burkhard Hau